Mehrwertsteuer in der Schweiz - Was muss ich als Unternehmer wissen?

Du hast den großen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, oder bist kurz davor, in der Schweiz Dein eigenes Unternehmen zu gründen? Beim Thema Steuern wird dir aber etwas mulmig? Keine Sorge: Wir besprechen in diesem Artikel alles, was es mit der vielleicht bekanntesten Steuer - der Mehrwertsteuer - auf sich hat.

Unternehmerin hat Fragen zur Mehrwertsteuer in der Schweiz

Was ist die Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer (MwSt), auch oft Umsatzsteuer (USt) genannt, ist eine Verbrauchssteuer. Sie wird Verbrauchern durch Unternehmen (Händler, Dienstleistende, etc.) in Rechnung gestellt und dann von diesen ans Finanzamt abgeführt.

Steuerbar sind Leistungen, die durch steuerpflichtige Unternehmer im Inland gegen Bezahlung erbracht werden. Der Export von Produkten zählt ebenfalls dazu: Ausländische Unternehmen sind in den meisten Fällen bei Käufen von schweizerischen Unternehmen mehrwertsteuerpflichtig.

Die gängigen Steuersätze in der Schweiz sind seit 01.01.2018:

  • Normalsatz: 7,7 % (Autos, Uhren, Schmuck, Kleider, Alkohol, Dienstleistungen)
  • Sondersatz: 3,7 % (Hotelübernachtungen inkl. Frühstück)
  • Reduzierter Satz: 2,5 % (Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Medikamente, etc.)

Wer ist in der Schweiz steuerpflichtig?

Steuerpflichtig ist man, wenn man ein Unternehmen betreibt und der Jahresumsatz bei über 100'000 Schweizer Franken liegt. Das gilt unabhängig von der Rechtsform des Unternehmens, also unabhängig davon, ob es sich nun um eine Einzelfirma, eine GmbH, eine AG oder auch eine Kollektivgesellschaft handelt.

Von der Steuerpflicht befreit sind:

  • Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als CHF 100'000
  • nicht gewinnstrebige, ehrenamtlich geführte Sport- oder Kultur-Vereine sowie gemeinnützige Institutionen mit einem Jahresumsatz von weniger als CHF 150'000

Fällt man in eine der steuerbefreiten Kategorien und möchte sich dennoch der USt unterziehen, so ist das möglich (sog. freiwillige Steuerpflicht). Dazu muss man sich bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) in Bern anmelden. Ob das sinnvoll ist, hängt hauptsächlich von der Vorsteuer ab (s.u.).

Außerdem gibt es bestimmte Leistungen, die grundsätzlich von der Steuer ausgeschlossen sind, wie z.B. in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Kultur (Art. 21 MWSTG).

Anmeldung der MwSt-Pflicht in der Schweiz

Sobald du die Voraussetzungen der Steuerpflicht erfüllst, musst du dich unaufgefordert innerhalb von 30 Tagen nach Erfüllung der Kriterien schriftlich bei der ESTV anmelden. Durch die Anmeldung wird dein Unternehmen ins Register der Mehrwertsteuerpflichtigen aufgenommen und dir wird eine MwSt-Nummer zugeteilt.

Schweizer Unternehmer meldet sich als Steuerpflichtiger

Die 30-Tage-Frist gilt ab dem Moment, ab dem die Überschreitung der 100'000-Franken-Grenze absehbar ist.

Wie kann ich den Beginn der Schweizer Steuerpflicht absehen?

Am Anfang deiner selbstständigen Tätigkeit in der Schweiz musst du abschätzen, ob du die Umsatzgrenze innerhalb der nächsten zwölf Monate überschreiten wirst. Leichter gesagt als getan, denkst du dir hier wahrscheinlich. Kann dies zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschätzt werden, dann muss das Unternehmen spätestens drei Monate nach Beginn der Geschäftstätigkeit erneute beurteilt werden.

Dazu nimmt man den Umsatz der drei ersten Monate und multipliziert es mit 4. So erhält man den geschätzten Umsatz für das gesamte Jahr. Überschreitet dieser die 100'000-Franken-Grenze, so kann man entscheiden, ob man rückwirkend ab Beginn der Tätigkeit oder erst ab dem 4. Monat steuerpflichtig sein möchte.

Ist man schon als Unternehmen tätig und überschreitet zu einem späteren Zeitpunkt die Grenze, endet die Befreiung von der Steuerpflicht zu Ende des Geschäftsjahres, in dem dies passiert ist.

Beispiel: Am 13.02.2016 macht Grafikdesigner Thomas sich in Zürich selbstständig und ist zunächst von der USt befreit. 2018 läuft es dann richtig gut für sein Unternehmen und er schafft einen Umsatz von CHF 160'000. Er wird also ab dem 13.02.2019 steuerpflichtig und muss sich bei der ESTV anmelden. Diese Steuerpflicht gilt auch, falls Thomas 2019 wieder unter die Grenze fällt. Dann kann er sich aber für 2020 wieder von der USt befreien lassen.

Vorsteuerabzug in der Schweiz

Da die MwSt eine Konsumsteuer ist, fällt sie beim Endverbraucher an. Unternehmen sind dagegen von der USt, die sie bei Betriebsausgaben zahlen, freigestellt und können diese sog. Vorsteuer vom Finanzamt zurückfordern.

Schweizer Unternehmer berechnet seine Vorsteuer

Aus diesem Grund kann sich die freiwillige Steuerpflicht manchmal für Unternehmen mit einem kleinerem Jahresumsatz lohnen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Ausgaben größer sind, als die Einnahmen. Das kann gerade zu Beginn der unternehmerischen Tätigkeit vorkommen, da man zu dem Zeitpunkt oft größere Anschaffungen tätigen muss.

Die Umsatzsteuer auf meinen Rechnungen

Nun fragst du dich vielleicht schon, was die USt für die Rechnungen bedeutet, die du schreiben musst. Bist du steuerpflichtig? Dann musst du die MwSt auf jeden Fall auf deinen Rechnungen ausweisen. Der Rechnungsbetrag (Bruttobetrag) setzt sich dabei aus Nettobetrag + USt zusammen.

Wichtig ist außerdem der Unterschied zwischen Rechnungen an Privatpersonen und Rechnungen an andere Unternehmen. Bei Rechnungen an Privatpersonen werden Bruttopreise angegeben. Im B2B-Bereich ist dagegen das Angeben von Nettobeträgen üblich, da Unternehmen die Vorsteuer vom Finanzamt zurückfordern können und daher die Nettobeträge die tatsächliche Ausgabe für sie darstellen.

Die Mehrwertsteuer und dein Rechnungsprogramm für die Schweiz

Dir ist das ganze Thema Steuer noch immer ein Dorn im Auge? Dann nutze doch einfach die Unterstützung einer Buchhaltungssoftware. Im Rechnungsprogramm von Debitoor kannst du problemlos Rechnungen erstellen und dabei den relevanten Steuersatz auswählen.

Ja, du hast richtig verstanden: Bei uns kannst du auch einen Account mit Unternehmenssitz in der Schweiz eröffnen und so beim Rechnung schreiben die schweizerischen Steuersätze verwenden. Die daraus entstehenden Rechnungsbeträge werden vom Programm automatisch berechnet. Du kannst außerdem zwischen Brutto- und Nettorechnung auswählen, je nachdem ob die Rechnung an eine Privatperson oder ein Unternehmen gehen soll.

Weiterhin erstellt Debitoor Berichte, aus denen du ganz einfach deine Umsätze, sowie die eingenommene und gezahlte USt herauslesen kannst. So bleibt dir der übliche Buchhaltungs-Stress erspart und du kannst dich voll und ganz auf dein Business konzentrieren. :)

Geschrieben von EmilieEmilie, 15. Oktober 2018