Gründer-Eltern: Überlebenstipps für die ersten 2 Jahre mit Kind und Unternehmen (Teil 4)

Über den Autor: Nick Sokolov ist ein Designer und junger Vater aus Berlin.

In vier Teilen (Teil 1, Teil 2, Teil 3) gibt er Überlebenstipps für die ersten zwei Jahre mit Unternehmen und Kind. Teil 4 und Schluss: Ein zweijähriges Kind und die Herausforderungen zwischen Arbeitsalltag und Wäschebergen.

Kindergarten und routinierter Mensch 2.0

Am Ende der ersten 24 Monate gibt es eine stolze Liste an «Ersties» zur Belohnung: erster Schluckauf-Tag, erste Beule, erstes Wort, erstes Schimpfwort, erster Satz, erster Handgriff, erster richtiger Satz, erstes Familien-Selfie, erste Stinkeflecken auf dem Teppich und erstes Graffiti mit wasserfestem Marker auf der Wandtapete.

Nach dieser Zeit hat sich die Arbeitsweise dem neuen Rhythmus angepasst und du bist mehr als je zuvor dabei (woher die Kräfte dafür kommen, weiß keiner).

Lass uns deswegen noch über ein paar Sachen jenseits des Geschäfts sprechen — schließlich ist es ein Beitrag über Geschäft und Baby.

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Wo soll das Babybett stehen?

Falls ein Mann darüber verzweifeln sollte, ob das Kinderbettchen im Schlafzimmer stehen soll: Es ist das Beste, ich garantiere es!

Wenn das Kinderbett im Schlafzimmer steht, steht das Schlafzimmer nicht mehr für alle anderen Aktivitäten zur Verfügung. Zwinker-Zwinker.

Diese Aktivitäten werden sich zwangsläufig auf der restlichen Wohnfläche verteilen. Das Kind wiederum beschert euch unvergessliche Nächte von «warum musst du denn unbedingt 6 Stunden mitten in der Nacht durchschreien» bis «wie konnte ich früher einschlafen ohne die Füße von diesem kuscheligen Knödel im Gesicht zu haben».

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Alle Männer, die nicht von diesem Umstand gesegnet sind, können jetzt großherzig und zuvorkommend vorschlagen, das Babybett (zumindest vorübergehend) ins eigene Schlafzimmer zu stellen. Sicher ist sicher. Außerdem hört ihr euch beide umso länger die Serenaden an, je größer die Entfernung zwischen den Betten ist.

Neben neuen Aktivitäten bekommt die Wohnung eine neue Dimension der Hausarbeit. Nicht deine Home-Office-Arbeit, sondern die Home-Keeping-Arbeit.

Die Waschmaschine wird selten angehalten und das Aufräumen kann direkt nach Beendigung neu los gehen. Rund um die Uhr.

Hausarbeit mit Partner aufteilen

Der Zuwachs an Hausarbeit wird gigantisch.

Ein paar Tage nicht die Wäsche zu waschen, bedeutet in Bergen von dreckiger Wäsche unterzugehen. Die trockene Wäsche nicht rechtzeitig einzuräumen, bedeutet in Bergen von sauberer Wäsche unterzugehen.

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Wer sich vorstellt, er, ich bin mir sicher, dass es überwiegend ein «er» ist würde der Familie ausreichend damit helfen, das Geld nach Hause zu bringen, kann sich den Besen schnappen, den Flur fegen und danach das Badezimmer abschrubben. Und dann die Küche aufräumen. Oder eine Aushilfe anheuern, die mindestens drei mal die Woche vorbei kommt, um Generalputz zu veranstalten.

Erinnerst du dich daran, wie ich behauptet habe, Kindererziehung sei ein Vollzeitjob?

Die gute Nachricht: Es ist jetzt ein Teilzeitjob. Die schlechte Nachricht: Die Hausarbeit ist ein neuer Vollzeitjob.

Wer aber mit dem Baby den Rest des Tages beschäftigt ist, kann dann nicht auch noch waschen, Küche aufräumen, putzen, Pflanzen gießen, wieder Küche aufräumen, Spielzeug aufräumen, einkaufen, Müll wegbringen, kochen und verdammt noch mal schon wieder die Küche aufräumen.

Die Aufgaben zu Hause sind tolle Trainingsgeräte zum Aufbau von Tagesablauf-Muskulatur. Gute Gelegenheit, endlich feste Zeiten in der Woche für das Aufräumen, den Abwasch, den Müll, den Sport und die Arbeit einzuteilen. Wer seine häuslichen Pflichten und deren Termine leicht aufzählen kann, kann diesen Schritt überspringen.

Mehr geben als nehmen

Mit dem Kind ändert sich an dem Grundprinzip «mehr geben als nehmen» die Relation: man nimmt mehr Verantwortungen und Verpflichtungen dem anderen ab und gibt damit ein kleines wenig mehr Freiraum zurück.

Ich glaube, vor allem für Mütter ist es sehr wichtig, ihren Freiraum zu haben und Zeit für sich zu genießen. Was eine Frau vor, während und nach der Geburt durchmacht ist unvergleichbar. Wie sie dann nach ein paar Wochen wieder einsatzbereit und nach ein paar Monaten arbeitsdurstig werden kann, bleibt mir ein Rätsel. Es ist jedenfalls eine höhere Belastung, als sie es oft zugeben.

Bessere Zeiteinteilung und Verteilung von Arbeit sind immer gute Bereiche für Leistungssteigerung — mit Kind werden sie erzwungen. Die Verteilung von den geschäftlichen und familiären Verpflichtungen zwischen den Partnern wird trotzdem schwer gerecht oder zufriedenstellend ausfallen.

Es ist nicht mehr wirklich viel, was ihr euch gegenseitig geben könnt: eine Fußmassage statt einer Kreuzfahrt, und Küche sauber halten statt teure Geschenke zu machen. Oder die Großeltern fürs Wochenende organisieren und ins Kino oder auf Kneipentour mit Freunden gehen.

Zum Mitnehmen bitte

Die ersten zwei Jahre sind unglaublich toll. Das Wort «niedlich» wird allgegenwärtig sein. Es gibt keinen Grund zur Panik, weil sich alles von alleine erst auf den Kopf und dann wieder auf die Beine stellen wird. Ganz wie das Baby.

Die Produktivität, Zeiteinteilung und Selbstdisziplin werden einen kräftigen Schub bekommen. Um diesen Raketenstart ins Familienleben zusätzlich zu stabilisieren, können staatliche Förderungen genutzt werden. Bewusste Abwechslung zwischen Arbeits- und Entspannungsphasen, vor allem Reisen mit vollem Bildwechsel können sehr helfen.

Mehr Infos zum Gründen mit Baby? Nick hat eine Checkliste für die ersten beiden Jahre mit Kind erstellt.

Geschrieben von GastautorGastautor, 19. Oktober 2015