Gründer-Eltern: Überlebenstipps für die ersten 2 Jahre mit Kind und Unternehmen (Teil 3)

Über den Autor: Nick Sokolov ist ein Designer und junger Vater aus Berlin.

In vier Teilen (Teil 1 und Teil 2) gibt er Überlebenstipps für die ersten zwei Jahre mit Unternehmen und Kind. Teil 3: Das Kind ist jetzt anderthalb und bewegt sich fröhlich durch die ganze Wohnung.

Anderthalb Jahre: Home-Office, Roam-Office und Remote-Work

Sobald das Kind gehen kann ist es vorbei und das kann es nach anderthalb Jahren. Sicher, schnell und niedlich.

Vorbei sind die Zeiten, als ihr noch zu zweit in Ruhe ein Käffchen oder Spaghetti-Eis genießen konntet. Oder gar einen Spaziergang in gewöhnlicher Geschwindigkeit.

Eis wird eine ganze Weile nur hinter dem Buggy verdeckt schnell runtergeschluckt und eine Strecke von 100 Meter kann auch mal eine Viertelstunde beanspruchen.

Dafür gibt es die lustigsten Hüpfer, die niedlichsten Tänze und Grimassen zu sehen, was sofort Unmengen von Stress abbauen kann.

Getrennter Arbeitsbereich

Wer bisher zu Hause gearbeitet hat, braucht spätestens jetzt ein getrenntes Arbeitszimmer.

Das Kind erobert mit jedem Schritt eine immer größere Spielwiese für sich. Kein Arbeitszimmer zu haben bedeutet permanente Arbeitsstelle im Call-Center — das ist nicht schön. Schon putzig, aber nicht schön für die Arbeit.

nick14.jpg

Die Selbstdisziplin wird erneut auf die Probe gestellt und die Ablenkungen werden zahlreich und häufig — von Facebook-Zeitloch zu unwiderstehlich verführerischen Begegnungen während der Mittagsschlafpause. Für die Bewältigung reicht eine einfache 3-Schritt-Anleitung:

  • sich für die Woche einen Plan machen
  • sich für den Tag 2-3 Aufgaben fest vornehmen
  • Arbeitszeit im Blick behalten mit ausreichend Erholungspausen dazwischen

Ein wahres Wunder für Konzentration und Produktivität sind Ohropax.

Ich benutze die Dinger ständig, vor allem, wenn die kleine Madame einen schlechten Tag hat (auch Mini-Menschen können tatsächlich mit dem falschen Fuß aufstehen… und das aus jeder Schlafphase). Ohropax ist mit Abstand die günstigste und effektivste Methode, den Geräuschpegel zu minimieren, die eigene Leistung zu steigern und die Nerven zu schonen.

Roam-Office: Arbeit unterwegs

Für meine Arbeit reicht bestens jede Sitzgelegenheit in guter Internet- und Essensreichweite. Was für dich die minimale Anforderung ist, musst du selbst entscheiden.

nick15.jpg

Diese Arbeit außerhalb nenne ich Roam-Office. (Ich führe den Begriff Roam-Office als Erweiterung zu Home-Office ein. Sobald ich den Laptop öffne und anfange zu arbeiten, wird die Umgebung automatisch zum Arbeitsbereich.) So wie mein Arbeitszimmer praktisch nur gutes Internet, einen Tisch und einen Stuhl bedeutet.

In der einfachsten Form konditioniert man sich z.B. darauf, gleich nach der Ablieferung im Kindergarten zu einer Bäckerei zu spazieren, einen Kaffee zu bestellen, den Rechner zu öffnen und ein paar Sachen zu erledigen, bevor das Kind abgeholt und nach Hause gebracht wird.

Die Kunst besteht darin, auf dem halben Wege nicht eine Lesepause auf der Parkbank einzulegen oder genüsslich zwei Tassen Kaffee wegzutrinken und sich dabei den endlosen Instagram-Feed reinzuziehen.

nick16.jpg

Schwieriger wird es beim Reisen und leider habe ich noch keine knackige Lösung dafür. Feste Einteilung der Zeit scheint bisher zu helfen: Sagen wir jeden Morgen um 9:00 Rechner anschmeißen, Routine erledigen, Arbeit verteilen, Postfach und Kalender prüfen.

Sobald ich in die Selbstgespräche gerate: «Na gut ich mache was bei der ersten Kaffeepause, versprochen, und jetzt schauen wir vom Bett aus dem portugiesischen Fenster raus und gehen gemächlich mediterran frühstücken» ist der Tag verloren.

Die Reisedauer spielt auch eine Rolle. Je länger die Reise, umso besser das Verhältnis von Arbeitstagen zu An-, Abreise- und Einfindungstagen. Umso leichter fällt es auch, die Arbeitsroutine aufzubauen.

Delegierung von Aufgaben

Verteilung von Aufgaben ist bisher die mächtigste Maßnahme für ein akzeptables Verhältnis von Reisen zu Arbeitszeit. Klingt selbstverständlich für jeden Geschäftsführer, aber für Selbstständige doch etwas konterintuitiv: man ist doch wegen eben dieser Arbeit selbstständig, oder?

Oder du lässt diese Arbeit wesentlich günstiger verrichten und verdienst an der Differenz und sparst dir Berge von Zeit.

In dem ersten Jahr nach der Geburt solltest du den größten Teil deiner zeitschluckenden Arbeitsroutine verteilen. Ich bin in Arbeit fast ersoffen und hatte 0 Minuten für die Geschäftserweiterung frei. Es gibt entweder die Langfassung, oder die Kurzfassung: Das Meiste an der eigenen Arbeitsroutine kann automatisiert bzw. an Freelancer abgetreten werden (Checklisten, Checklisten, Checklisten).

Wenn du Englisch oder eine weitere Sprache beherrschst, stehen dir massenhaft Workaholics auf www.upwork.com, www.fiverr.com oder www.99designs.com zur Verfügung.

Je früher du anfängst deine eigene Zeit zu sparen, umso schneller wird Zeit mit Familie wieder zum Vergnügen.

Teil 4 unserer Serie zum Thema Gründen mit Kind findest du hier: Gründer-Eltern: Überlebenstipps für die ersten 2 Jahre mit Kind und Unternehmen (Teil 4).

Mehr Infos zum Gründen mit Baby? Nick hat eine Checkliste für die ersten beiden Jahre mit Kind erstellt.

Geschrieben von GastautorGastautor, 15. Oktober 2015