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Der Kampf um die Kohle

Unternehmertum ist hip und entertainmenttauglich! Seit „Die Höhle der Löwen“ 2014 an den Start ging, dürfte das jedem klar sein. Seinen Anfang nahm der Startup-Showboom aber bereits 2001 in Japan mit „Money Tigers“.

Heute, 14 Jahre später, läuft dieses Sendeformat in mehr als 27 Ländern im Hauptabendprogramm. Titel wie „Dragons‘ Den“ (GB), „Shark Tank“ (USA) und „Die Höhle der Löwen“ (D) vermitteln alle dieselbe, darwinistische Botschaft: Survival of the Fittest! Der Beste, Interessanteste, Erfolgreichste bekommt den Deal - und die Kohle.

Entertainment siegt über Businesspläne und Unternehmenskennzahlen

Die Idee: Startups kämpfen vor einem Millionenpublikum um die Gunst von finanzkräftigen Investoren. Wer überzeugen kann, erhält Kapital zur finanziellen „Unterfütterung“ seines Unternehmens im Tausch gegen (meist erhebliche) Unternehmensanteile.

Im Pitch, einer Kurzpräsentation von wenigen Minuten, stellen die Gründer ihr Geschäftskonzept vor und stehen anschließend der mal mehr, mal weniger kritischen Jury Rede und Antwort. Dabei geht es um Zahlen, Daten, Fakten – nämlich um Marktwerte, Umsätze, Preisgestaltung und Gewinnmargen. Themen, mit denen sich jeder Neugründer und Jungunternehmer konfrontiert sieht.

Natürlich ist im Sendeformat kein Platz für eine eingehende Analyse von Businessplänen und Unternehmenskennzahlen. Der Unterhaltungsfaktor steht klar im Vordergrund – rasante Trommelwirbel, gewagte Kameraschnitte, flotte Jury-Kommentare. Alles wirkt wie eine sorgfältig gescriptete TV-Show nach Drehbuch.

Ist das alles überhaupt echt? Ja, denn die „Helden“ – unsere Gründer – gibt es wirklich da draußen. Und als Zuseher erhält man zumindest einen kleinen Einblick in die zahlenlastige Welt eines Unternehmers.

Der Traum vom eigenen Unternehmen – Startup-Shows in Deutschland boomen

„Die Höhle der Löwen“ ist aktuell ohne Zweifel die am aufwendigsten produzierte Gründer-Show im deutschen Fernsehen. Aber neben VOX sind mittlerweile auch andere deutsche Sender auf den Startup-Zug aufgesprungen.

Das ZDF schickt den Unternehmer und Skateboarder Titus Dittman mit „Kampf der Startups“ ins Rennen und Kabel eins lockt das TV-Publikum mit der Gastro-Gründer-Show „Restaurant Startup“.

Dabei ist der Kampf um die Kohle auch in diesen Sendeformaten das Leitmotiv. In der Pitch-Situation begegnet uns ebenfalls ein wiederkehrendes, publikumswirksames Kernelement. Die Schwerpunkte liegen allerdings woanders.

In Coachings und Trainings auf Tuchfühlung mit den Gründern

Der Fokus in „Kampf der Startups“ richtet sich auf das Coaching der Gründer, um sie für den Final-Pitch zu rüsten. Und die Teilnehmer in „Restaurant Startup“ werden gleich direkt im „Feldversuch“ getestet: Sie müssen innerhalb von 48 Stunden ein Popup-Restaurant eröffnen.

Dadurch erhalten die Shows eine persönlichere Note. Die Zuseher lernen die Gründer kennen, begleiten sie die komplette Sendung hindurch und bekommen Einblicke in ihre Motive und Beweggründe.

Kritische Fragen über Finanzierung, Umsatzgenerierung und Gewinnmargen behandeln diese Sendekonzepte höchstens am Rand. Kritikpunkt? Vielleicht. Der Charme dieser Shows liegt mehr im persönlichen Miterleben.

Ein Ende – nicht in Sicht. Der Traum vom eigenen Unternehmen ist noch lange nicht ausgeträumt. Denn auch der BR tüftelt bereits an seinem eigenen Format „Startup Bavaria“. Coachings, Trainings, Pitches – hier winken Einblicke hinter die Kulissen der Unternehmen. Zeit also für die nächste Casting-Runde!