Interview mit Manuel Meurer | Freelance-Entwickler

Manuel Meurer, Freelance-Entwickler und Gründer von Uplink

Manuel Meurer ist erfolgreicher Freelance-Entwickler und Gründer des Portals Uplink - eine Plattform für IT-Freelancer.

Im Debitoor-Interview erzählt er, warum es für Freelancer oft so schwierig ist, an geeignete Aufträge zu kommen - und, wie er mit Uplink speziell IT-Freelancern dabei hilft.

Hallo Manuel, bitte beschreibe dich und deinen Werdegang in ein paar Worten.

Hi, ich heiße Manuel, bin 35 Jahre alt, seit einem Jahr stolzer Papa und seit gut neun Jahren Wahl-Berliner.

Ursprünglich komme ich aus Dortmund, habe dort, in den USA und in Schweden studiert und dann ein paar Jahre in Stockholm gewohnt, bevor es mich nach Berlin verschlagen hat. Diese Stadt hat mich von Anfang an fasziniert und tut es immer noch. Ich kann mir mittlerweile nur noch schwer vorstellen, woanders zu wohnen…

Seit ich in Berlin bin, arbeite ich als freiberuflicher Webentwickler, davor war ich immer fest angestellt.

Was waren deine Motive, dich als Freelance-Entwickler selbstständig zu machen?

Das ist mehr oder weniger zufällig passiert. Mein erster Job in Berlin war bei einem kleinen Startup, bei dem schon drei andere Entwickler arbeiteten, und die waren alle Freiberufler.

Ursprünglich hatte ich mit den Gründern über eine Festanstellung gesprochen, aber nachdem mir die anderen Entwickler erzählt habe, wie einfach es ist, sich selbständig zu machen, habe ich das auch getan.

Worin würdest du sagen, lag dabei für dich die größte Herausforderung?

Anfangs lief alles sehr gut - die Anmeldung als Freiberufler ging ohne Probleme vonstatten, der Job war herausfordernd und die ersten Rechnungen zu schreiben hat einen riesen Spaß gemacht! 2008 war auch der Beginn des Startup-Booms in Berlin, deshalb hatte man als freier Entwickler nie Schwierigkeiten, neue Kunden zu finden.

Die Herausforderungen kamen dann später, als ich durch meine Erfahrung einen etwas höheren Tagessatz hatte und mir die Projekte besser aussuchen musste.

2015 hast du mit Uplink eine Plattform für Freelance-Entwickler gegründet – und damit eine echte Nische besetzt. Wie kam es dazu?

Die größte Frustration für IT-Freelancer sind Recruiter - das kann man leider so pauschal sagen. Ich kenne zwar einige Freelancer, die sich über Anfragen von bestimmten Recruitern freuen und gerne mit ihnen arbeiten, aber das ist eher die Ausnahme.

XING und LinkedIn haben Recruiter als zahlende Kunden entdeckt und es ihnen über die Jahre immer einfacher gemacht, hunderte von Kandidaten gleichzeitig mit generischen Jobbeschreibungen von “amazing opportunities” und “highly competitive rates” zu bombardieren. Damit haben sie den Ruf der ganzen Branche kaputt gemacht.

Wie wahrscheinlich viele andere Freelancer hatte ich mir schon tausend Mal gedacht “Das muss doch auch besser, einfacher und weniger nervig machbar sein!” und mich schließlich, als ich auf der Suche nach einem neuen Nebenprojekt war, dazu entschlossen, das Thema anzugehen.

Die Rückmeldung der ersten Freelancer und Firmen, mit denen ich gearbeitet habe, war daraufhin so positiv, und die Anzahl der Anfragen schoss so schnell in die Höhe, dass aus dem Nebenprojekt schnell ein Vollzeit-Job wurde.

Wo siehst du den Vorteil von Uplink für IT-Freelancer gegenüber der „klassischen“ Projektvermittlung über Recruiter, Stellenbörsen und Plattformen wie Xing?

Das Ziel von Uplink ist es, sowohl für die Freelancer als auch Firmen eine simple, faire und transparente Alternative zu klassischen IT-Recruitern zu sein.

Screenshot von Uplink, der Plattform für IT-Freelancer

Simpel heißt für die Freelancer zum Beispiel, dass sie im Mitgliederbereich ihre Fähigkeiten, Verfügbarkeit und ihren Stundensatz einstellen können, und dann auch wirklich nur passende Projekte angeboten bekommen.

Außerdem nenne ich ihnen schon bei der Anfrage den Namen der Firma, welche Technologien und Tools benutzt werden, wie groß das Team ist etc. - all die Infos, die den Freelancer interessieren, und die man bei Recruitern erst mühsam erfragen muss oder gar nicht erst bekommt.

Darüber hinaus gibt es bei Uplink keine Knebelverträge, Sperrfristen oder Vertragsstrafen - das ganze läuft auf einer Vertrauensbasis und ich wurde bisher noch nicht enttäuscht!

Uplink soll über die reine Projektvermittlung hinausgehen. Welche zusätzlichen Services bietest du an bzw. sind in der Pipeline?

Zur Zeit arbeite ich an Kooperationen mit Firmen und Services, die für die Freelancer interessant sind. Als erster Partner ist Kontist mit an Bord, auch ein Startup aus Berlin, die ein Geschäftskonto speziell für Freelancer anbieten. Als Mitglied von Uplink startet man bei Kontist mit einem Guthaben von 50€!

Ein weiterer Partner, über den ich mich sehr freue, ist Debitoor! :) Ich selbst nutze Debitoor seit gut einem Jahr und bin extrem zufrieden damit, daher wollte ich auch die Freelancer aus dem Uplink-Pool darauf aufmerksam machen.

Weiterhin plane ich Kooperationen mit Coworking Spaces, eigene Meetups und Events und einen Steuer-Service speziell für Freelancer!

Wie gewinnst du Freelancer und Firmen für Uplink? Worauf setzt du beim Thema Marketing?

Der beste Marketing-Kanal ist, so wie ich es mir erhofft hatte, Mundpropaganda und persönliche Empfehlungen! Gerade in der Agentur-Szene wechseln die Mitarbeiter vergleichsweise oft den Arbeitgeber und empfehlen dort dann Uplink, wenn sie schon vorher gute Erfahrungen damit gemacht haben.

Außerdem kommen viele Intros zu neuen Kunden von den Freelancern, die schon bei Uplink dabei sind. Diese werden nämlich, wenn sie gute Arbeit machen, von den Auftraggebern immer wieder gefragt, ob sie noch andere verfügbare Freelancer kennen, und empfehlen dann natürlich gerne Uplink.

Darüber hinaus wird die Uplink-Webseite mittlerweile sehr gut bei Google für relevante Schlagwörter gefunden, so dass immer mehr Leads auch darüber kommen.

Wie funktioniert die Projektvermittlung auf Uplink genau? Was passiert, wenn man sich bei euch als IT-Freelancer bewirbt?

Wer sich als Freelancer bewirbt und angenommen wird, bekommt Zugang zum Freelancer-Backend, wo man seine Verfügbarkeit (ab wann und in welchen Städten bzw. remote) und Fähigkeiten definieren kann.

Das Ganze dauert max. 5 Minuten, denn eine Projekthistorie muss nicht angelegt und gepflegt werden (die sollte möglichst im eigenen CV oder auf XING, LinkedIn oder der eigenen Webseite zu finden sein).

Und dann wird der Freelancer per Email kontaktiert, wenn es ein passendes Projekt gibt. Details können nach Wunsch auch gerne per Telefon besprochen werden.

Wenn dem Freelancer das Projekt zusagt, mache ich per Email eine Intro mit dem Kunden, und alles weitere passiert direkt zwischen dem Freelancer und Kunden (Telefonat oder Treffen zum Kennenlernen, Klären der Verfügbarkeit und Konditionen etc.). Für Fragen und Probleme stehe ich natürlich weiterhin zur Verfügung.

Was kann man als Freelancer noch tun, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen? Womit hast du gute Erfahrungen gemacht?

Mittlerweile denke ich, einen ganz guten Riecher dafür entwickelt zu haben, wer ein kompetenter Entwickler und guter Freelancer ist.

Am wichtigsten sind meiner Meinung nach gut gepflegte XING- und LinkedIn-Profile (ja, am besten beide!) mit einem sympathischen Profilfoto und eine simple und klar strukturierte Portfolio-Webseite (am besten maxmustermann.com), auf der kurz und knapp erläutert wird, mit welchen Technologien man arbeitet, was für Projekte man sucht und wie man kontaktiert werden will. Das sind sozusagen die Basics - wenn es hier schon hapert, ist das kein gutes Zeichen.

Darüber hinaus fand ich es immer am einfachsten und effektivsten, mich mit anderen Freelancern zu verknüpfen (entweder persönlich auf Meetups und Events oder online in Foren und Communities) und auch aktiv bekanntzugeben, wenn man auf der Suche nach einem neuen Projekt ist.

Einen neuen Kunden durch eine Empfehlung von einem anderen Freelancer, den er schon kennt und schätzt, kennenzulernen, erzeugt nämlich einen enormen Vertrauensvorschuss!

Logo von Uplink, Plattform für IT-Freelancer

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Geschrieben von AndreaAndrea, 3. Juli 2017