Interview mit Christine Hüsch | Beiwerk

Debitoor Community: Christine Hüsch | Beiwerkfl.de

Zwar nicht im Norden geboren, aber in Flensburg aufgewachsen und bis heute lebend und arbeitend, ist Christine Hüsch fast ganz „nordisch by nature“. Auf ihrem Online-Shop Beiwerk vetreibt sie passend dazu selbst gestaltete Postkarten und Geschenkartikel mit maritimem Design.

Im Interview mit Debitoor verrät sie, was sie daran so fasziniert – und was ihr persönliches Lieblingsprodukt ist.

Hallo Christine, bitte beschreib dich und dein Unternehmen in ein paar Worten.

Moin! :) Tja, also, ich war schon von klein auf immer eher der kreative Typ, habe immer schon getanzt und gesungen, später richtig viel Ballett gemacht, immer gebastelt und war auch immer eher in Wolkenkuckcksheim und träumerisch unterwegs.

Ich habe dann nach dem Abitur aber erstmal “was Ordentliches” gelernt, nämlich Buchhändlerin, habe auch noch in Dänemark einen Bachelor in Kultur- und Sprachvermittlung gemacht, aber irgendwie gemerkt, dass ich meine kreative Ader da nur begrenzt ausleben konnte. Ich bin dann durch meine Tanzerei erstmal bei der Niederdeutschen Bühne Flensburg gelandet, an der ich bis heute als Darstellerin bin und an der ich mich in die Plattdeutsche Sprache verliebt habe, die ja bei meinem Beiwerk immer mal eine Rolle spielt.

Beiwerk Website von Christine Hüsch

Irgendwie hat mir aber immer noch etwas gefehlt und so habe ich kurzerhand vor fünf Jahren mein Label Beiwerk gegründet. Ich wollte gerne Produkte anbieten, die den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, die Humor haben und habe mit Postkarten angefangen, weil man auf dieser kleinen Fläche sehr viel “spielen” kann.

Anfangs waren meine Produkte nicht nur maritim, da habe ich mich in mehreren Richtungen ausprobiert, aber das Maritime hat am meisten Spaß gemacht und lief auch am besten. Dabei bin ich dann geblieben. Mit meinem Beiwerk wollte ich schöne Nebensachen anbieten und daran erinnern, dass man sich auch über kleine Dinge sehr freuen kann. Dass es inzwischen maritime Kleinigkeiten sind, ist umso schöner, weil sie meine Liebe zu meiner norddeutschen Heimat widerspiegeln.

Was waren deine Motive, dich selbstständig zu machen?

Ich war nach den vielen Jahren im Buchhandel irgendwie frustriert, habe gespürt, dass da noch etwas ist, was ausgelebt werden will, deshalb war ich eine zeitlang echt deprimiert, weil ich noch nicht wußte, wo die Reise hingehen sollte.

Irgendwie bin ich dann darauf gekommen, Postkarten zu entwerfen, das schien mir kreativ, aber auch nicht ganz so risikoreich. Bisher bin ich noch nicht komplett selbständig, arbeite immer noch ein paar Stunden im Buchhandel, habe mein kleines Unternehmen aber nach und nach immer weiter aufgebaut.

Postkarte von Beiwerk mit Möwen

Ich wollte auch gern ein zweites Standbein zu meinem Beruf haben, da ich nicht Vollzeit gearbeitet habe. Und irgendwie war der Wunsch nach etwas eigenem sehr groß, etwas, wo ich ganz allein die Verantwortung trage.

Worin würdest du sagen, lag für dich dabei die größte Herausforderung?

Zum einen natürlich, dass ich mir im Bereich Grafikdesign sehr viel aneignen musste, da ich in dem Bereich ja keine Ausbildung habe. Ich war zwar schon immer sehr fix, was Computer angeht, aber da habe ich sehr viel autodidaktisch trainiert, und da bin ich auch immer noch dran. Da mir das aber sehr viel Spaß gemacht hat, war das eher ein Vergnügen als Arbeit.

Zum anderen waren da die Finanzen. Ohne großes finanzielles Polster und ohne die Aussicht auf einen Bankkredit musste ich eben klein anfangen und habe dann immer, wenn ich neue Kunden dazubekam und “n büschen” was verdient habe, das Geld gleich wieder in mein Beiwerk gesteckt. So ist das Unternehmen zwar langsam, aber stetig und in einem für mich geeigneten Tempo gewachsen.

Auf beiwerkfl.de verkaufst du Postkarten und Geschenkartikel mit maritimem Flair. Was fasziniert dich am Thema Meer so?

Wenn man im Norden großgeworden ist, dann ist man naturgegeben ja von viel maritimem Flair umgeben. Das prägt einen natürlich. Ich liebe den Norden sehr. Ich denke aber auch, dass das Meer eine große Faszination auf fast alle Menschen ausübt, da unsere Vorfahren vor Abermillionen Jahren ja mal als Eidechsen oder was auch immer aus dem Meer ans Land gekrochen sind. Wir kommen ja aus dem Meer. Und unser Unterbewußtsein spielt da wohl auch eine Rolle, hat mir mal ein Psychologe erklärt. Das ist mir aber etwas zu abgefahren.

Ich mag das Handfeste am Norden. Bei den Menschen weiß man, woran man ist, das Meer ist einfach immer wieder schön und immer wieder anders, von den Farben, von den Wellen oder auch mal spiegelglatt und wenn ich aufs Meer schaue, werde ich immer unglaublich ruhig - und das ist für meine Umwelt auch mal ganz schön! :)

Moinhorn, Aquaholiker & Co. Woher kommen deine Ideen für die vielen verschiedenen Designs?

Ich habe einfach eine Gehirnwindung zuviel. :) Manchmal ist es mir tatsächlich auch ein Rätsel. Aber ich bin natürlich auch viel unterwegs, in natura oder auch im Netz. Ich sammle auf Pinterest alles Mögliche, was mir gefällt.

Postkarte von Beiwerk "Aquaholiker"

Natürlich lässt man sich auch von anderen Kreativen inspirieren, denn niemand kann das Rad ständig neu erfinden. Aber ich versuche immer, meinen eigenen Humor unterzubringen und allem irgendwie meinen “Twist” zu verpassen.

Das Moinhorn entstand tatsächlich aus einer Schnapslaune ohne Schnaps. Aus einer Blödelei mit meinem Chef im Buchladen. So kann es auch mal gehen.

Von der Idee über die Produktion bis zum Verkauf – wie sieht der typische „Weg“ eines Produktes bei dir, z.B. am Beispiel der Moinhorn-Postkarte bei dir aus?

Das Moinhorn ist wie gesagt eher durch Zufall und sehr spontan entstanden. Da habe ich mich nach dem lustigen Abend mit meinem Chef und seiner Frau noch abends an den Schreibtisch gesetzt und den Entwurf gemacht. Das ging dann ganz schnell, da hatte ich einen “Lauf”. Ich habe keine bestimmten Zeiten zum Entwerfen, da merke ich einfach, “oh, da ist jetzt wieder was im Anmarsch” und dann setze ich mich hin.

Beim Moinhorn habe ich noch kurz den Entwurf an meinen Chef geschickt, das mache ich oft, um ein Feedback zu bekommen oder ich frag meine Mutter, die immer sehr ehrlich ist (“Nee, Stine, das kannste so nicht machen...”). Dann lade ich die Datei an meine Druckerei hoch, da kann ich auch nochmal am Bildschirm in 3D checken, wie die Karte letztendlich aussehen wird. Nachdem die Karte von der Druckerei gekommen ist, schaue ich nochmal, ob alles okay ist.

Postkarte von Beiwerk mit "Moinhorn"

Beim Moinhorn habe ich einfach ein Rundschreiben an meine Händler geschickt, die auch gleich bestellt haben. Und natürlich bei Facebook hochgeladen, wo es innerhalb kurzer Zeit über 350.000 angeschaut wurde! Das ist aber eher die Ausnahme.

Normalerweise arbeite ich an einem kleinen Programm für Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter und arbeite da auch einen richtigen kleinen Katalog aus. Den schicke ich an schon bestehende Händler oder mache eine kleine Charme-Offensive bei Buchläden oder netten kleinen Läden, die auch Postkarten und andere Nettigkeiten verkaufen. Meistens hat mir aber Mund-zu-Mundpropaganda die Kunden ins Haus gebracht.

Thema Marketing: Wo und wie findet man dich und deine Produkte neben deinem Onlineshop noch?

Ich habe auf meiner Website meinen Dawanda-Shop integriert. Durch Dawanda bin ich auch zur EigenArt-Messe gekommen, die in Flensburg im Frühjahr und im Herbst stattfindet. Da ich ja auch noch im Buchladen arbeite und Theater spiele, kann ich nicht an weiteren Messen teilnehmen, das ist einfach nicht drin.

Aber ich habe natürlich auch eine Facebook-Seite Facebook-Seite und das Moinhorn hat meine Bekanntheit dort sehr gepusht. Und es gibt natürlich auch einige Händler in Flensburg bis Hamburg, die meine Produkte komplett oder teilweise verkaufen. Die aktuelle Liste findet Ihr hier: Händlersuche

FunBakery produziert nach deinen Designs leckere Torten. Woher kam die Idee für diese Kooperation?

Ines Eckhoff von Fun Bakery hat mich einfach kurzerhand angerufen und mich gefagt, ob ich mir eine Kooperation vorstellen könnte. Ich fand die Idee einfach witzig und Ines’ Website auch ansprechend und so haben wir einen Nutzungsvertrag für das Moinhorn vereinbart.

Und eine Frage zum Schluss: Verrätst du uns dein persönliches Lieblingsprodukt aus deinem Online-Shop? ;-)

Oh, schwierige Frage... Irgendwie haben ja alle Produkte viel Herzblut von meiner Seite mitbekommen, aber einer meiner Lieblingsentwürfe ist immer noch das “Nordertor”, mein Erstling, der sich schon damals zu Beginn von Beiwerk sehr gut verkauft hat und immer noch gut läuft. Da ist einfach sehr viel Flensburg-Heimatgefühl mit drin und macht diese Karte für mich zu etwas ganz Besonderem.

Postkarte von Beiwerk "Nordertor"

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Geschrieben von AndreaAndrea, 8. August 2017