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Kann man Startups erforschen? Der anwendungs­orientierte Forschungs­bereich StartupInsights

Interview mit Steffen Tröger, Projektleiter des anwendungsorientierten Forschungsbereichs Berlin- StartupInsights (BSI) sowie Gründer und Geschäftsführer von Tatgeist.


Was ist ein anwendungs­orientierter Forschungsbereich? Keine Theorie?

Doch, auch bei einem anwendungsorientierten Forschungsbereich gibt es viel Theorie. Jedoch haben wir eine andere Herangehensweise.

Manche Forschungseinrichtungen forschen um Theorie zu generieren. Um es salopp zu sagen, analysieren sie Studien und generieren daraus Forschungslücken. Auch gibt es 1000de von Veröffentlichungen, die teilweise echt gut sind.

Dabei gibt es min. 3 Probleme:

  1. Sie finden oftmals nicht Ihren Weg in die Praxis.
  2. Die Forschungslücken werden oftmals nur theoretisch unter Wissenschaftlern diskutiert.
  3. Wenn sie es doch in die Praxis schaffen, sind sie oftmals nicht allgemein verständlich oder schnell anwendbar und teilweise schon wieder veraltet.

Beispielsweise schon mal die Modelle zu Gründungsphasen angeschaut? Noch mehr Meta-Ebene geht schon bald nicht mehr und weit davon weg, wie es wirklich abläuft ;)

Wir gehen in die Praxis, besuchen Veranstaltungen mit Praktikern und sprechen mit Unternehmern um Problemstellungen zu evaluieren und dann wissenschaftlich zu lösen. Das machen wir jedoch nicht allein, sondern mit Vertretern der Praxis zusammen.

So bilden wir bspw. für all unsere Forschungsprojekte Lenkungsausschüsse und Beiräte, die ausschließlich aus Wirtschaftsvertretern bestehen.

Was sind Ihre Aufgaben als Projektleiter?

Die Aufgaben sind wirklich vielseitig. Beginnend bei der Konzeptionierung von Forschungsprojekten, über das Einwerben von Drittmitteln bis hin zur Koordination und dem Abarbeiten der Projekte. Je nach Projekt haben wir personelle Ressourcen – oder eben auch nicht.

Teilweise ist es mehr Führung und Projektmanagement im eigentlichen Sinne; oftmals gehe ich aber auch direkt in die Projekte rein und arbeite operativ, wie bspw. beim Deutschen Startup Monitor.

Was sind die Forschungsansätze?

Das kann nicht pauschalisiert werden. Das ist bei jedem unserer Teilforschungsbereiche individuell. Beim Deutschen Startup Monitor arbeiten wir selbstverständlich quantitativ. Bei all unseren anderen Projekten eher qualitativ (Thema anwendungsorientiert).

Unsere Ausgangsüberlegungen werden vielfach von Falin (Gründen mit Komponenten) und Ansätzen, die sich mit einer von der Planung abweichenden Unternehmensentwicklung beschäftigen (Maurya 2012, Ries 2011, Mulliens/Komisar 2008/ McGrathe/MacMillan 1995) getragen.

Beim Thema Entrepreneurship-Ökosysteme hat Isenburg einfach eine super Ausgangsbasis geschaffen.

Was ist der Zweck?

Je nachdem, welche Untersuchungen man liest oder heranzieht, überleben ca. 30 bis 50% der neugegründeten Unternehmen nicht die ersten 3 Geschäftsjahre. Das ist doch eine beachtliche Zahl.

Weiterhin existieren in der Entrepreneurship-Forschung verschiedenste Studien, die sich mit Erfolg und Misserfolg von Startups und KMU auseinandersetzen.

Dabei kommen die Autoren zu dem Schluss, dass oftmals nicht das Produkt oder die Dienstleistung Ursache für den Misserfolg ist, sondern es vielen Unternehmen an Ressourcen und betriebswirtschaftlicher Handlungskompetenz mangelt.

Genau hier setzten wir an: Durch die wirtschaftswissenschaftliche Ausrichtung wollen wir sowohl Gründer/innen dabei unterstützen innovative Produkte an den Markt zu bringen sowie etablierten Unternehmer/innen helfen, ihr bestehendes Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, um nachhaltig am Markt agieren zu können.

Wir haben vier Ziele definiert:

  • Förderung der Gründer- und Unternehmenskultur
  • Stärkung der Erfolgswahrscheinlichkeit von Start-ups, Gründern und KMU
  • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft
  • Weiterbildung von Studenten, Entrepreneuren und Unternehmern

Ist Gründen nicht etwas was man tut, und nicht etwas, was man erforschen kann?

Oh doch, insbesondere in der Gründungsforschung, die im Vergleich zu anderen Disziplinen vergleichsweise jung ist, gibt es sehr viel Forschungsbedarf. Auch ist Gründung nicht gleich Gründung.

So sind bspw. Startups wie auch Existenzgründer/innen Sonderformen, die nicht miteinander vermischt werden können.

Es geht eben nicht nur darum formal ein Unternehmen zu gründen, sondern wie man dazu überhaupt erst kommt, bis hin zu der Frage der nachhaltigen Etablierung am Markt.

Die klassische BWL beschäftigt sich vielfach nur mit Konzepten für Großunternehmen und Konzernen – also Ansätze, die oft nicht auf junge und/oder neu gegründete Unternehmen passen.

Was sind Ihre Beobachtungen?

Rein aus wissenschaftlicher Sicht wächst die Zahl der Entrepreneurship-Lehrstühle (mit ihren ganz unterschiedlichen Ausrichtungen) stetig. Da gibt’s auch Zahlen vom Förderkreis Gründungsforschung (FGF).

Auch interessieren sich zunehmend mehr Studenten für spezialisierte Studiengänge im Gründungsbereich. Der Nachteil für die Hochschulen: Manch einer gründet noch vor Abschluss des Studiums.

Ich finde die Entwicklung sehr positiv und freue mich, dass die Selbstverwirklichung mit einem eigenen Unternehmen zunehmend für Studenten interessanter wird.

Schon gewusst?
Der Deutsche Startup Monitor ist eine online Umfrage von deutschen Start-ups. Diesen stellt Forscher und Gründer Steffen Tröger im zweiten Teil des Interviews vor.

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