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Zählen als Startup Taten mehr als Worte?

Steffen Tröger beschäftigt sich nicht nur in Theorie als Projektleiter des anwendungsorientierten Forschungsbereichs Berlin- StartupInsights mit Gründertum, sondern auch in der Praxis: Er ist Gründer und Geschäftsführer des NICHT-klassischen Beratungsbüros Tatgeist und erzählt seine Gründergeschichte.


Ihre Firma: Tatgeist – zählen Taten mehr als Worte bei der Gründung?

Taten sind super. Solange es durchdachte Taten sind. Manch ein Gründungswilliger, mit wirklich guten Ideen, spricht einfach viel zu lange darüber, anstatt es einfach mal zu testen.

Das ist aber nicht nur bei der Gründung so. Gerade in großen Organisationen, wird meines Erachtens oftmals einfach zu viel gesprochen, anstatt es einfach mal zu machen. Alle wollen Strategen sein und alle sprechen davon, was nicht geht, anstatt es einfach mal zu machen

Und der Geist?

Die Taten und der Geist können nicht ganz losgelöst voneinander betrachtet werden. Tatgeist ist ein Synonym für Aktivismus und steht u.a. für Betätigungsdrang und fortschrittliches zielstrebiges Handeln.

Richtige individuelle und zumeist kreative Lösungen sind für uns wichtig – auch wenn uns das oft mehr Zeit kostet als geplant.

Gibt es geistvolle Ideen oder werden Ideen nur so geklaut?

Es gibt wirklich viele Ideen, die das Leben einfacher machen (könnten) oder einfach nur super Ideen sind, die das Potenzial haben monetisiert zu werden.

Beim Themen „klauen“ – wollt ihr sicherlich auf Copycats /Rocket Internet hinaus. Hier bin ich vorsichtig. Ich sehe sowas nicht wirklich als Diebstahl, sondern als Wettbewerb (unabhängig davon, ob ich es gut finde, wie hier die Geschäftsmodelle kopiert werden).

Wenn in einer Straße 3 Friseurläden öffnen, schreit ja auch kein Hahn danach. Der Witz der freien Marktwirtschaft liegt ja darin, besser und schneller zu sein als der Mitbewerber. Oder eben Nischenmärkte zu besetzten, wo sich die Großen nicht herantrauen.

Was war Ihre Gründungsmotivation?

Oh, da gibt es so einige, die auch vielfach ineinander greifen. Mit dem Wunsch zu promovieren, bin ich vor 3 Jahren wieder freiwillig zurück in die Forschung gegangen (auch eine lange Geschichte).

Insbesondere an ehemaligen Fachhochschulen ist die Finanzierung von Forschungsprojekten schwierig. Es gibt quasi keine traditionellen Lehrstühle, die mit einem Grundstock an Personal und Budget ausgestattet sind. Somit benötigt es überwiegend Drittmittelprojekte.

Wenn überhaupt, ist da nicht mehr als eine 50%-Stelle drin. Nicht unbedingt die beste Ausgangslage zur eigenen Finanzierung. Es musste daher noch eine andere Einnahmequelle gefunden werden, wodurch das ganze Thema Forschung kompensiert bzw. querfinanziert werden kann.

Ein Job als Angestellter in der Wirtschaft war keine Option, da Privatleben, Forschung, Promotion und Aufgaben als Angestellter schwer kombinierbar sind (ich hatte es anfangs versucht).

Etwas mehr Flexibilität musste her.

Zum anderen gab es im letzten Jahr sehr viele Beratungsanfragen aus meinem Netzwerk und über meinen Freundeskreis. Da war es der logische Schritt, ein richtiges Unternehmen zu gründen und das Ganze von der Freiberuflichkeit auf eine (meines Erachtens) professionellere Ebene zu transportieren.

Nachdem ich seit 2009 rund 130 Unternehmen bei Fragestellungen der Gründung, dem Wachstum oder der Restrukturierung unterstützt hatte, hatte ich faktisch schon mein „Proof of Concept“.

Warum Unternehmen Freigeister brauchen

Hinzu kam, dass ich viele Jahre in großen Organisationen gearbeitet habe. Das war zur damaliger Zeit auch gut so. Jedoch könnte ich mir zum einen nie vorstellen, mein ganzes Leben lang nur dieselbe Aufgabe zu erfüllen (ich interessiere mich einfach für extrem viele unterschiedliche Sachverhalte).

Zum anderen fühlt man sich in großen Organisationen als „Freigeist“ irgendwann gefangen, wenn man immer nur darüber sprechen musste was alles nicht geht, anstatt sich damit zu beschäftigen, was geht. Auch neue Ansätze zu testen und andere Wege zu gehen um zum Ziel zu kommen (die nicht dem Standard entsprechen) ist in großen Unternehmen oft schwierig.

Beratung von Gründern und KMU benötigt jedoch genau diese Herangehensweise.

Abschließend ist an dieser Stelle noch zu erwähnen, dass man sich auch Gedanken darüber macht, was nach der Promotion und der Wissenschaft kommt. Tatgeist als Unternehmen, wie es aktuell aufgestellt ist, wird nur mittelfristig Bestand haben.

Langfristig ist eine Art „Gemischtwarenladen“ geplant. Wir wollen uns mit Themen beschäftigen, auf die wir Lust haben und Geschäftsmodelle entwickeln, für die wir Potenziale sehen – vom Gastronomiekonzept bis hin zum Online-Geschäftsmodell. Viele Ideen liegen schon in der Schublade.

Schon gewusst?
Als Start-up ist das "Proof of concept" das A und O. Wie, was, wieso, warum beantwortet Steffen Tröger, Projektleiter des anwendungsorientierten Forschungsbereichs Berlin- StartupInsights, im Interview über das Gründerdasein.

Als Inspiration findest du Startup-Berichte und Start-up Videos beim einfachen Rechnungsprogramms Debitoor.