Debitoor Lexikon

Rechnungsstellung & Buchhaltung einfach erklärt

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  1. Gesellschaftsform
  2. Kapitalgesellschaft
  3. Personengesellschaft
  4. Buchführung
  5. Buchführungspflicht

Joint Venture – Was ist ein Joint Venture?

Als Joint Venture wird eine Kooperation zwischen zwei oder mehreren Unternehmern bezeichnet.

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Joint Venture (deutsch: Gemeinschaftsunternehmen) ist die englische Bezeichnung für eine Kooperation zwischen mehreren rechtlich und wirtschaftlich eigenständigen Unternehmen zu Realisierung eines gemeinsamens Vorhabens.

Unternehmen bilden ein Joint Venture um zum Beispiel gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten, eine bestimmte Marktposition zu erreichen oder ein bestimmtes Produkt zu entwickeln. Die Zusammenarbeit kann lang- als auch kurzfristig geplant sein.

Gründung eines Joint Ventures

Zur Gründung eines Joint Ventures müssen sich mindestens zwei voneinander unabhängige Unternehmen zusammenschließen. Grundlage eines Joint Ventures ist ein gemeinsames Vorhaben, das im so genannten Joint Venture Vertrag festgelegt wird. In diesem Vertrag werden außerdem Fragen zur Gewinnverteilung und der gemeinschaftlichen Führung geregelt.

Im Vorfeld einer Gründung müssen folgende Punkte abgestimmt werden:

  • Unternehmenskonzept
  • Wahl der Gesellschaftsform
  • Finanzierung und Kapitalbeteiligungen
  • Verteilung von Gewinn, Risiko und Verlust
  • Management- und Führungsaufgaben
  • Gesellschaftsorgane

Übernimmt einer der Partner keine finanzielle oder kontrollrechtliche Verantwortung, spricht man nicht von einem Joint Venture, sondern von einem Management-Vertrag oder einer Beteiligung.

Kategorisierung von Joint Ventures

Joint Ventures können nach zahlreichen Kriterien unterschieden werden, beispielsweise nach Anzahl der Kooperationspartner, nach Standort, dem zeitlichen Rahmen der Zusammenarbeit, nach Kapitalbeteiligung oder nach Branche.

Joint Ventures nach Kooperationsform

  • Equity Joint Venture: Beim Equity Joint Venture wird ein Gemeinschaftsunternehmen mit Kapital-, und Risikobeteilung der Partnerunternehmen geschlossen. Das Unternehmen ist rechtlich selbstständig.
  • Contractual Joint Venture: Grundlage für das Contractual Joint Venture ist eine vertragliche Vereinbarung, die Kosten-, Risiko- und Gewinnverteilung festlegt. Die Parteien können frei darüber bestimmten, ob das Joint Venture eine eigene Rechtsform erhalten soll oder nicht.

Joint Ventures nach Branchenausrichtung

  • Horizontales Joint Venture: Beim horizontalen Joint Venture schließen sich Unternehmen derselben Branche zusammen, beispielsweise zwei Musikverlage.
  • Konzentrisches Joint Venture: Konzentrische Joint Ventures sind Gemeinschaftsunternehmen mit Partnern aus ähnlichen Branchen, z.B. ein Musikverlag und ein Filmproduzent.
  • Konglomerates Joint Venture: Bei konglomeraten Joint Ventures besteht kein Branchenzusammenhang der Partner, beispielsweise ein Musikverlag und ein Mobilfunkanbieter.
  • Vertikales Joint Venture: Vertikale Joint Ventures bilden sich auf dem Zusammenschluss von Unternehmern unterschiedlicher Wertschöpfungsstufen, z.B. ein Musikverlag, ein Notenproduzent und ein Tonstudio.

Joint Ventures nach räumlicher Dimension

  • Domestic Joint Venture: Nationale Gemeinschaftsunternehmen werden als Domestic Joint Ventures vezeichnet. Alle Vertragspartner haben ihren Unternehmenssitz im selben Land.
  • International Joint Venture: Bei einem International Joint Venture muss mindetens einer der Partner seinen Unternehmenssitz an einem anderen Standort als dem des Joint Ventures haben.

Joint Ventures und ihre Rechtsform

Joint Ventures können unterschiedliche Rechtsformen annehmen. Oft werden sie als Kapitalgesellschaft in Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder Aktiengesellschaft (AG) gegründet.

Für Buchführung und Rechnungslegung eines Joint Ventures ist dieser rechtliche Charakter ausschlaggebend. Ist das Joint Venture eine Kapital- oder Personenhandelsgesellschaft gelten die Vorschriften des Handelsgesetzbuchs (HGB).

Sollte das Joint Venture jedoch beispielsweise die Rechtsform der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) einnehmen, so sind ausdrückliche Vorschriften zur Rechnungslegung nicht vorhanden.

Vorteile eines Joint Ventures

Der Hauptgrund zur Bildung eines Joint Ventures besteht in der Aufteilung des Risikos auf unterschiedliche Unternehmen.

Ein weiteres Motiv liegt im Synergieeffekt begründet: Marktkenntnisse, Fachwissen oder Produktionsstätten können gebündelt und optimal genutzt werden. Dadurch werden nicht nur Kosten eingespart, sondern auch eine stärkere Marktposition erzielt.

Darüber hinaus werden Joint Ventures gerne zur Steigerung des eigenen Bekanntheitsgrades genutzt. Dadurch ist es beispielsweise einfacher möglich, auf einem ausländischen Markt Fuß zu fassen und Reputation zu erlangen.

Nachteile eines Joint Ventures

Zu den Nachteilen eines Joint Ventures gehört der relativ hohe Koordinationsaufwand. Dazu zählen zum Beispiel langwierige Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse sowie das Überwinden von interkulturellen oder sprachlichen Konflikten bei internationalen Joint Ventures.