Debitoor Lexikon

Rechnungsstellung & Buchhaltung einfach erklärt

Gewerbetreibender - Wer ist Gewerbetreibender?

Ein Gewerbetreibender ist ein Selbständiger, der ein Gewerbe ausführt. Er ist von einem Freiberufler abzugrenzen, der einem freien Beruf (Rechtsanwalt, Arzt usw.) nachgeht.

Als Gewerbetreibender musst du bei dem zuständigen Gewerbeamt dein Gewerbe anmelden. Nach dieser Anmeldung bekommst du deinen Gewerbeschein.

Um ein Gewerbetreibender zu sein, also ein Gewerbe zu betreiben oder zu unterhalten, müssen mehrere Merkmale erfüllt sein.

Rechtsgrundlage dafür ist die Gewerbeordnung, kurz GewO. Danach ist das Gewerbe eine wirtschaftliche Tätigkeit, die du auf deine eigene Rechnung, in deiner eigener Verantwortung sowie mit der Absicht ausübst, dauerhaft damit einen Gewinn zu erzielen.

Der weitere Sinn eines Gewerbes liegt darin, davon leben zu können.

Gewerbetreibender als Selbständiger

Der Oberbegriff für ein Gewerbe ist die Selbstständigkeit.

Für ihre Definition gilt das SGB IV, das vierte Sozialgesetzbuch. Hier wird die Selbstständigkeit von der Unselbstständigkeit des Arbeitnehmers abgegrenzt, und zwar in erster Linie im sozialversicherungsrechtlichen Sinne.

In der Gewerbeordnung ist näher definiert, welche Berufsgruppen und Berufsarten ein Gewerbe darstellen.

Nicht dazu gehören alle freien Berufe wie zum Beispiel Apotheker, Rechtsanwälte, Notare oder Steuerberater. Zu den besonderen Merkmalen von Freiberuflern gehören deren speziellen Fachkenntnisse beziehungsweise handwerklichen Fähigkeiten in dem jeweiligen Beruf.

Im Zweifelsfall entscheidet das Finanzamt darüber, ob deine Selbstständigkeit gewerblich oder freiberuflich ist.

Gewerbeanmeldung

Gewerbetreibende müssen im Gegensatz zu Freiberuflern ihre Selbstständigkeit als Gewerbe anmelden.

Das geschieht bei der Gemeindeverwaltung, in welcher der Selbstständige seinen Wohnsitz hat, beziehungsweise sein Unternehmen als Gewerbe betreibt.

Für Jungunternehmer oder Existenzgründer sind Wohn- und Gewerbesitz meistens identisch.

Die Anmeldung beim Finanzamt erfolgt durch den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den jeder Selbständige (also auch Freiberufler) zu Beginn seiner Tätigkeit ausfüllen muss.

Gewerbetreibender, Liebhaberei und Scheinselbständigkeit

Deine gewerbliche Tätigkeit muss nach außen gerichtet sein; jeder Außenstehende muss deutlich erkennen können, dass du als Selbstständiger ein Gewerbe betreibst. Du bist selbstständig, also ein Arbeitgeber. Deine gewerbliche Tätigkeit ist geplant und auf Dauer oder zumindest für einen von Beginn an geplanten Zeitraum vorgesehen.

Und letztendlich hast du die feste Absicht, mit dem Gewerbe Gewinne zu erzielen. Wenn diese Gewinnabsicht dauerhaft nicht erkennbar ist, dann wird deine Tätigkeit vom Betriebsfinanzamt aus steuerlicher Sicht als „Liebhaberei“ eingestuft - also ohne eine Gewinnerzielungsabsicht.

In diesem Fall kannst du deine Ausgaben steuerlich nicht mehr geltend machen.

Wenn deine Selbständigkeit in Frage gestellt wird, weil du zu abhängig von einem Auftraggeber bist, kann es passieren, dass deine Tätigkeit als Scheinselbständigkeit eingestuft wird. Deine Beschäftigung ist dann sozialversicherungspflichtig.

Informationen zum Thema Scheinselbständigkeit bekommst du in unserem Artikel: Bin ich scheinselbstständig?

Steuern für Gewerbetreibende

Der gravierende Unterschied zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern ist die Steuerpflicht.

Ein Gewerbe zu betreiben ist einkommen- und gewerbesteuerpflichtig, während der Freiberufler nur Einkommensteuer zahlen muss.

Steuerpflicht bedeutet in diesem Sinne, dass eine Steuererklärung abgegeben werden muss. Die kann, muss aber nicht zwangsläufig zu einer Steuerzahlung führen.

Als Selbstständiger - also sowohl als Gewerbetreibender als auch als Freiberufler - kannst du zu Beginn deiner Unternehmensgründung entscheiden, ob du umsatzsteuerlich als Kleinunternehmer behandelt werden möchtest.

Wenn ja, dann zahlst du keine Umsatzsteuer, bekommst aber auch keine Mehrwertsteuer vom Finanzamt erstattet. Du wirst in Bezug auf die Umsatz-/Mehrwertsteuer mit deinem Gewerbe wie ein Endverbraucher behandelt.