Debitoor Lexikon

Rechnungsstellung & Buchhaltung einfach erklärt

Über 150 Artikel für Gründer und Kleinunternehmer

  1. Eigenkapitalfinanzierung
  2. Bilanz
  3. Fremdkapital
  4. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)
  5. Passiva
  6. Bilanzgliederung

Eigenkapital - Was ist das Eigenkapital?

Eigenkapital ist der Kapitalteil eines Unternehmens, der sich aus eigenen finanziellen Mitteln zusammensetzt. Egenkapital und Fremdkapital bilden zusammen das Gesamtkapital.

Eigenkapital ist wichtig zur Finanzierung deines Unternehmens. Wie viel Startkapital du bei deiner Unternehmensgründung wirklich benötigst, erfährst du hier.

Eigenkapital bildet im Betrieblichen Rechnungswesen das Gegenteil von Fremdkapital. Es bezeichnet den Teil des Gesamtkapitals, der vom Eigentümer des Unternehmens, beispielsweise den Gesellschaftern, eingebracht wird.

Arten von Eigenkapital

Das Handelsgesetzbuch listet nach §266 (2) HGB folgende Positionen des Eigenkapitals:

Gezeichnetes Kapital

Kapitalgesellschaften wie Aktiengesellschaft (AG) oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sind bei ihrer Gründung zu einer Kapitaleinlage verpflichtet, die auch als Stammeinlage oder Grundkapital bezeichnet wird. Das gezeichnete Kapital setzt sich aus dieser Einlage sowie etwaigen späteren Kapitalerhöhungen zusammen.

Kapitalrücklagen

Kapitalrücklagen zählen wie die Gewinnrücklagen zu den offenen Rücklagen. Sie sind für Kapitalgesellschaften zur Bildung finanzieller Reserven verpflichtend vorgeschrieben. Gebildet werden sie beispielsweise aus Agiobeträgen bei der Ausgabe von Aktien.

Gewinnrücklagen

Zu Gewinnrücklagen zählen finanzielle Reserven, die aus dem jährlichen Gewinn einbehalten werden. Sie werden eingeteilt in:

  • Gesetzliche Rücklagen: Kapitalgesellschaften sind zur Bildung gesetzlicher Rücklagen verpflichtet. Aktiengesellschaften (AGs) müssen beispielsweise 5% ihrer Gewinnrücklagen einbehalten, bis diese zusammen mit den Kapitalrücklagen 10% des Grundkapitals betragen.
  • Rücklagen für Unternehmensanteile: Rücklagen für Unternehmensanteile müssen in der Höhe des Gesamtbetrags der Anteile gebildet werden.
  • Satzungsmäßige Rücklagen: Unternehmen können in ihrer Satzung selbst die Bildung von weiteren Rücklagen festlegen.
  • Sonstige Gewinnrücklagen: Unter sonstige Gewinnrücklagen fallen alle Rücklagen, die in den oberen Posten nicht definiert sind.

Gewinnvortrag/Verlustvortrag

Der Gewinnvortrag wird aus dem Rest des Vorjahres-Gewinnes gebildet, der nach der Gewinnverwendung übrig bleibt. Beim Verlustvortrag handelt es sich um das Pendant dazu.

Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag

Als Jahresüberschuss wird der Gewinn nach Abzug aller Steuern bezeichnet. Das Gegenteil davon ist der Jahresfehlbetrag (Verlust).

Eigenkapital in der Bilanz

Die Bilanz ist in Aktivseite (Aktiva) und Passivseite (Passiva) gegliedert. Auf der Passivseite ist die Mittelherkunft angeführt: Es kann sich dabei entweder um Eigenkapital (eigene Mittel) oder Fremdkapital (fremde Mittel) handeln.

Gliederung der Bilanz in Aktiva und Passiva mit dem Posten Eigenkapital auf der Passivseite

Eigenkapital als betriebswirtschaftliche Kennzahl

Auskunft über die wirtschaftliche Prosperität eines Unternehmens geben die so genannten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie der Cashflow. Auch das Eigenkapital ist Teil einiger Kennzahlen:

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote sagt aus, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital ist.

Eigenkapitalquote: Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtkapital

Eine hohe Eigenkapitalquote gilt als positiv: Das Unternehmen finanziert sich vorwiegend aus eigener Kraft und muss nicht auf Fremdkapital zurückgreifen.

Eigenkapitalrentabilität

Unternehmer stehen oft vor der Entscheidung, Kapital anzulegen oder zu investieren. Die Eigenkapitalrentabilität zeigt auf, ob eine Investition rentabel war.

Eigenkapitalrentabilität: Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapital

Liegt die Eigenkapitalrentabilität über dem aktuellen Zinssatz, hat sich die Investition ins eigene Unternehmen gelohnt.

Anlagendeckungsgrad

Der Anlagendeckungsgrad setzt das Eigenkapital in Verhältnis zum Anlagevermögen eines Unternehmens. Mit dem Anlagevermögen sind beispielsweise Maschinen, Büroausstattung und Lizenzen gemeint.

Anlagendeckungsgrad: Eigenkapital im Verhältnis zum Anlagevermögen

Ein hoher Anlagendeckungsgrad bedeutet, dass große Teile des Anlagevermögens über Eigenkapital und nicht per Kredit „auf Pump“ finanziert werden.

Vorteile von Eigenkapital

Eine hohe Eigenkapitalquote gilt prinzipiell als positives Signal. Sie bedeutet, dass ein Unternehmen wenig Schulden, also Verpflichtungen, eingeht und sich vorwiegend aus eigenen Mitteln finanziert (Eigenkapitalfinanzierung).

Auch die Kreditwürdigkeit / Bonität bei Banken erhöht sich mit steigendem Eigenkapital.

Ein weiterer Vorteil ist die Unabhängigkeit des Unternehmens gegenüber fremden Kapitalgebern. Das Unternehmen kann aus eigener Kraft Investitionen stemmen und ist nicht auf Geldmittel von Gläubigern angewiesen.

Nachteile von Eigenkapital

Finanziert sich ein Unternehmen vorwiegend über Eigenkapital, kann das auch Nachteile mit sich bringen.

So kann eine Eigenkapitalfinanzierung beispielsweise die Aufnahme neuer Gesellschafter bedingen. Dadurch verlieren die bestehenden Gesellschafter Einfluss und Mitbestimmungsrechte.

Eigenkapital gilt außerdem als teurer als Fremdkapital, da sich Fremdkapital-Zinsen absetzen lassen, das Eigenkapital jedoch versteuert werden muss.