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Freiberuflich oder gewerblich: Was tun bei gemischter Tätigkeit?

Beispiel für eine gemischte Tätigkeit: Ein junger Mann übt sowohl eine gerwerbliche als auch eine freiberufliche Tätigkeit aus

Eigentlich bist du selbstständiger Tischler. Nebenbei verdienst du aber auch noch Geld mit deiner Leidenschaft als Gitarrist.

Jetzt ist guter Rat teuer: Bist du nun Freiberufler oder Gewerbetreibender? Oder beides?

Freiberuflich oder gewerblich?

Gewerbetreibender ist in der Regel jeder, der eine wirtschaftliche Tätigkeit auf eigene Rechnung und Verantwortung, auf Dauer und in Gewinnerzielungsabsicht ausführt. Darunter fallen neben Industrie und Handwerk auch viele Dienstleistungsberufe.

Eine freiberufliche Tätigkeit ist hingegen immer durch eine wissenschaftliche oder künstlerische Komponente geprägt. Übst du eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit selbstständig aus, giltst du als Freiberufler. Als Freiberufler bist du nicht gewerbesteuerpflichtig.

Führst du mehrere Tätigkeiten aus, die sowohl freiberuflich also auch gewerblich sind, spricht man von einer gemischten Tätigkeit. Diese werden wieder unterteilt in trennbare und untrennbare gemischte Tätigkeiten.

Trennbare gemischte Tätigkeit

Du bist Musiklehrerin und führst nebenbei einen Versandhandel mit Musiknoten? Du leitest eine Ferienpension und arbeitest daneben noch als freier Werbetexter?

Dann handelt es sich um eine "trennbare" gemischte Tätigkeit, denn: Du führst mehrere freiberufliche oder gewerbliche Tätigkeiten aus, die nicht miteinander in Zusammenhang stehen. In diesem Fall sind deine Einkünfte eindeutig der jeweiligen Tätigkeit zuordenbar und müssen daher in deiner Steuererklärung auch getrennt voneinander - in Anlage G und Anlage S - angeführt werden.

Das bedingt natürlich ebenfalls zwei getrennte Buchhaltungen. Du musst allerdings nicht für jede Tätigkeit ein eigenes Unternehmen gründen, sondern kannst alle Tätigkeiten unter einer „Dachmarke“ ausführen.

Trennbare gemischte Tätigkeit: Symbolische Darstellung

Beispiel:

Roman P. ist Werbetexter und unterstützt verschiedene Firmen bei der Umsetzung ihrer Marketingstrategie. Daneben arbeitet er als selbstständige Verleger und gibt Bücher mit den Schwerpunkten Marketing und PR heraus.

Beide Tätigkeiten können klar voneinander getrennt werden: Roman P.s Tätigkeit als Werbetexter (freiberuflich) steht in keinen Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Buchverleger (gewerblich). Roman P. ist also ein gutes Beispiel für einen Unternehmer, der eine trennbare gemischt Tätigkeit ausführt.

Untrennbare gemischte Tätigkeit

Du bist Innendesignerin und übernimmst neben dem Design auch noch die Umsetzung und Ausstattung der Räume? Du arbeitest als selbstständiger Steuerberater und erledigst neben der Buchführung auch noch die Steuererklärung für deine Mandanten?

Dann sind deine freiberuflichen und gewerblichen Tätigkeiten eng miteinander verknüpft. Um eine "untrennbare" Tätigkeit handelt es sich dann wenn

  • die Aufgaben sich gegenseitig bedingen oder
  • ein einheitlicher Erfolg geschuldet wird.

In diesem Fall lassen sich deine Einkunftsarten in der Steuererklärung nicht eindeutig zuweisen oder aufteilen.

Entscheidend ist nun, wie stark dein Unternehmen von der einen oder anderen Tätigkeit geprägt ist. Überwiegt die gewerbliche, giltst du insgesamt als Gewerbetreibende und musst alle (auch deine freiberuflichen) Einkünfte gewerblich versteuern. Anders rum giltst du als Freiberufler.

Untrennbare gemischte Tätigkeit: Symbolische Darstellung

Beispiel:

Maria K. ist selbstständige Gartenarchitektin. Neben Entwurf und Design des Gartens übernimmt sie auch die konkrete Planung und Umsetzung der Gartengestaltung für ihre Kunden. Sie betreut ihre Kunden also von der ersten Skizze bis zum fertigen Garten.

Maria K. führt ganz klar eine untrennbare gemischte Tätigkeit aus. Warum? Beide Tätigkeiten sind inhaltlich eng miteinander verbunden. Der Entwurf des Gartenkonzeptes (freiberuflich) und die Umsetzung des Konzeptes (gewerblich) bedingen sich gegenseitig.

Bei Maria K. überwiegt im Gesamtbild ihre gärtnerisch-handwerkliche Leistung. Daher gilt ihre Tätigkeit insgesamt als gewerblich.

Gemischte Tätigkeit bei Personengesellschaften

Während bei Einzelunternehmen mit gemischter Tätigkeit immer individuell über die gewerbliche oder freiberufliche Nutzung entschieden wird, gelten Personengesellschaften bei gemischter Tätigkeit meistens als gewerblich.

Übst du als freiberufliche Personengesellschaft also auch nur einen kleinen Teil gewerblich aus, werden deine gesamten Einkünfte als gewerbliche Einkünfte versteuert. Es ist daher sinnvoll, wenn du für die gewerbliche Tätigkeit eine eigene Gesellschaft gründest.

Beispiel:

Sabine L. hat gemeinsam mit drei anderen Physiotherapeuten die Praxisgemeinschaft PhysioFit GbR gegründet. In ihrer Praxis bietet sie neben der eigentlichen Physiotherapie auch noch Hilfsmittel wie Matten und Sitzbälle zum Verkauf an.

Sabine L. ist als Physiotherapeutin zwar freiberuflich tätig. Da es sich beim Verkauf der Physio-Hilfsmittel aber um eine gewerbliche Tätigkeit handelt, wird die Praxisgemeinschaft insgesamt als gewerblich eingestuft. Aus diesem Grund lagert Sabine L. den Verkauf in eine eigenständige Gesellschaft aus.

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